Kurs halten in unsicheren Zeiten: Die Oktober-Sitzung der Federal Reserve
An seiner letzten Sitzung beschloss der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank Fed die erste Zinssenkung des Jahres 2025. Damit kamen die Marktspekulationen und der Druck seitens der Regierung nach mehreren Monaten zu einem Ende. Im Moment sind sich die Märkte fast einig darüber, dass die Fed an ihrer nächsten Sitzung eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte vornehmen wird. In diesem Fall würde sie die Leitzinsen erstmals seit Dezember 2022 wieder unter 4% senken. [1]

In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit den Faktoren, die das Vertrauen der Händler in die erwarteten Massnahmen der Fed stärken, und mit der Frage, warum der Konjunkturausblick über die Sitzung vom Oktober hinaus nach wie vor unsicher ist.
Der Zinsentscheid vom September: Kontext und Begründung
In der Regel senkt die Fed die Leitzinsen, wenn die Wirtschaft Anzeichen von Schwäche zeigt und die Inflation unter Kontrolle ist. Im September jedoch wurde die Entscheidung, die Zinsen zu senken, einstimmig getroffen – trotz des anhaltenden Wirtschaftswachstums und der nach wie vor hohen Inflation.[2]
In seiner offiziellen Erklärung bezeichnete Fed-Chef Jerome Powell die Zinssenkung als eine Form von «Versicherung» – eine Präventionsmassnahme, die dem potenziellen Risiko einer drohenden Rezession entgegenwirken soll.
Aus der Pressemitteilung[3] und dem nachfolgenden Sitzungsprotokoll[4] war zu entnehmen, dass die Hauptsorge im Hinblick auf eine Rezession vor allem der sich verschlechternde Arbeitsmarkt war. So sind die Netto-Neueinstellungen seit mehreren Monaten rückläufig (wie in der folgenden Abbildung dargestellt). Im August wurden nur 22’000 Stellen geschaffen und damit deutlich weniger als die erwarteten 75’000.[5]
Veränderungen Arbeitnehmende, Total (ohne Landwirtschaft), in Tsd. Personen
Eine überraschende Abwärtskorrektur der Beschäftigungszahlen am 5. September zeigte, dass in den 12 Monaten bis März 2025 911’000 weniger Stellen geschaffen wurden als ursprünglich gemeldet.[6]
Anknüpfend an seine früheren Äusserungen in Jackson Hole[7] erklärte Fed-Chef Powell in einer Rede am 14. Oktober, dass die Wirtschaft anfälliger sei als die Wachstumszahlen vermuten liessen.[8] Ein Umfeld mit wenig Einstellungen und wenig Entlassungen gleicht ein wenig dem Spiel «Reise nach Jerusalem»: Wenn die Musik abrupt stoppt (etwa in Form von signifikanten Entlassungen), könnten sich viele Arbeitnehmende ohne «Stuhl» – also ohne Beschäftigungsmöglichkeiten – wiederfinden.
Uneinheitlicher Ausblick bei der Fed
Der jüngste «Dot Plot» aus den aktualisierten Prognosen der Fed deutet darauf hin, dass im Jahr 2025 eine weitere Zinssenkung erwartet wird. Die individuellen Prognosen weichen jedoch erheblich voneinander ab, insbesondere auf längere Sicht. So variieren die Prognosen für den neutralen Zinssatz stark von 2,6% bis 3,9%.[9] Eine knappe Mehrheit des FOMC (zehn Mitglieder) erwartet in diesem Jahr noch zwei Zinssenkungen, während eine substanzielle Minderheit (fünf Mitglieder) der Ansicht ist, dass weitere Senkungen unnötig sind.[10]
Die wachsende Spaltung erklärt sich dadurch, dass die «Falken» im Ausschuss vor allem die anhaltende Inflation bekämpfen wollen, die in den letzten vier Jahren über dem Zielwert lag und dieses Jahr im Zuge eines robusten BIP-Wachstums, starker Konsumausgaben[11] und eines boomenden Aktienmarkts stetig gestiegen ist.
Im Gegensatz dazu verweist die gemässigte Fraktion der «Tauben» auf die sich abzeichnende «Arbeitsmarktrezession», die sich in den jüngsten Beschäftigungsdaten widerspiegelt. Sie argumentieren, dass die Inflation zwar problematisch sei, sie allein zu bekämpfen aber besser sei, als eine Stagflation zu riskieren, bei der Inflation und Rezession zusammenfallen. Daher halten sie es für sinnvoller, eine drohende Rezession durch expansive Massnahmen abzuwenden – auch wenn sie dafür eine höhere Inflation in Kauf nehmen müssen.
Ein komplexer, unsicherer Weg
Fed-Chef Powell steht nun vor der Herausforderung, einen gespaltenen Ausschuss zu führen, der unterschiedliche Meinungen über den einzuschlagenden Kurs hat. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund des «Shutdowns» der zuständigen Bundesbehörden keine Daten verfügbar waren. Dadurch hat sich die Veröffentlichung kritischer Daten zur Beschäftigung (BLS) und Inflation (BEA) verzögert.
In seiner Pressekonferenz im September zitierte Powell einen berühmten Satz von Churchill: «Prognostiker sind ein bescheidenes Völkchen – und sie haben auch allen Grund dazu.» Er gab zu, dass auch noch so viele historische Daten keine zuverlässige Prognose liefern können, insbesondere in einem komplexen Wirtschaftsumfeld.
Die verschiedenen Sichtweisen innerhalb des Fed-Ausschusses deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft an einem Scheideweg steht. Beide möglichen Szenarien (weitere Zinssenkungen und ein vorsichtigerer Kurs) sind gleichermassen plausibel. Als Anlegerinnen und Anleger müssen wir uns somit auf beide Eventualitäten vorbereiten.
[1] Federal Reserve Bank of St. Louis
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