Private Equity

Mediawan und Leonine Studios – Zusammenschluss zur Stärkung der globalen Wettbewerbsfähigkeit

4 min
Apr 04, 2026

Der Zusammenschluss der beiden europäischen Content-Schwergewichte Mediawan (Frankreich) und Leonine (Deutschland) bietet interessante Investitionsmöglichkeiten, da die Streaming-Plattformen ihre Ausgaben erhöhen, um die wachsende Nachfrage nach lokalen Premium-Inhalten zu befriedigen.

Mediawan und Leonine Studios – Zusammenschluss zur Stärkung der globalen Wettbewerbsfähigkeit

Steigende Content-Nachfrage beflügelt Streaming-Kriege

Mitten in der Covid-19-Pandemie wurden grosse OTT-Plattformen[1] wie Disney+, Apple TV+ und Peacock eingeführt, die neben PayTV und den herkömmlichen Fernsehsendern schnell den Videokonsum dominierten. Die zunehmende Nutzung von Smartphones, Smart-TVs und 5G hat den digitalen Konsum angekurbelt. Verbraucherinnen und Verbraucher weltweit geben immer stärker digitalen Plattformen den Vorzug gegenüber traditionellen Medien. Laut Park Associates verdoppelten sich die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für OTT-Dienste in den USA von USD 8 im Jahr 2018 auf USD 16 im Jahr 2020. Nach Angaben der Motion Picture Association stiegen die weltweiten Streaming-Abonnemente von weniger als USD 400 Mio. im Jahr 2016 auf mehr als USD 1,1 Mrd. im Jahr 2020.

Strukturelles Wachstum auf dem europäischen Content-Markt

Da der US-amerikanische Markt gesättigt ist und das Publikum mehr lokal relevante Inhalte sucht, investieren Streaming-Giganten wie Netflix, Amazon und Disney+ Milliarden von Dollar in die Produktion von Originalinhalten im Ausland, um die Massen potenzieller internationaler Abonnentinnen und Abonnenten anzusprechen.

2020 wurde Netflix der grösste Produzent von Originalinhalten in Europa. Dies führte dazu, dass globale OTT-Dienste in der Region reguliert wurden, um die etablierten lokalen Sender und Verleihe zu schützen. Die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste erlaubt jedem europäischen Land den Erlass von Gesetzen, die OTT-Plattformen dazu verpflichten, bis zu 30% ihrer Einnahmen für die Produktion europäischer Originalinhalte auszugeben. Frankreich wird voraussichtlich zu den ersten Ländern in Europa gehören, die OTT-Dienste gesetzlich verpflichten, 25% auszugeben und ihre Ausgaben für digitale Plattformen von EUR 50 Mio. im Jahr 2019 auf EUR 400 Mio. im Jahr 2024 zu erhöhen. Auch in Deutschland steigt die Nachfrage nach lokalen Inhalten, da in den USA produzierte Inhalte für ein deutsches Publikum immer weniger relevant werden.

Der zunehmende Konsum audiovisueller Inhalte, die fragmentierte Nachfrage und das wachsende Interesse an lokalen Inhalten kurbeln die Produktion weltweit und in Europa an.

Mediawan und Leonine Studios

Vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage, der massiven Ausgaben und der Unterstützung durch Aufsichtsbehörden investierte Petiole gemeinsam mit KKR in die Allianz von Mediawan und Leonine, den klaren Marktführern in Frankreich bzw. Deutschland, um eine führende europäische Content-Plattform zu schaffen.

In Frankreich ist die TV-Produktion auf mehr als 20 Produktionsfirmen aufgeteilt. Mediawan ist eine führende unabhängige französische Content-Plattform, welche die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion über den Vertrieb bis hin zur Veröffentlichung audiovisueller Inhalte in ganz Europa abdeckt. Sie ist vor allem für die Produktion des Netflix-Hits Call My Agent bekannt. Durch Fusionen und Übernahmen besitzt Mediawan starke Marken in Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Finnland und im Senegal. Das Unternehmen produziert gemessen an der Stundenzahl die meisten Fernsehfilme und -serien. Mit seinen führenden Kompetenzen, seiner guten Reputation und seinen qualitativ hochwertigen Sendungen ist Mediawan gut aufgestellt, um ein Wachstum über dem Marktdurchschnitt zu erzielen.

2019 investierte Petiole gemeinsam mit KKR in die Konsolidierung von vier führenden deutschen Medienunternehmen: Tele München Gruppe, Universum Film, Wiedemann & Berg Film sowie Information & Unterhaltung TV Produktion. Anschliessend wurden diese Unternehmen im neu gegründeten Unternehmen Leonine organisiert. Zu den Aktivitäten von Leonine zählen Produktion, Vertrieb und Lizenzierung von Inhalten. Bekannt ist das Unternehmen vor allem durch die hochgelobte Netflix-Originalserie Dark.

Das kombinierte Portfolio von 61 Produktionsfirmen in Europa wird die Entwicklung von geistigem Eigentum durch Koproduktionen und Kofinanzierungen international ausweiten. Die konsolidierte Plattform wird mehr Talente anziehen und eine stärkere Bibliothek von Rechten entwickeln, die es Mediawan und Leonine ermöglicht, mehr Produktionen intern zu kofinanzieren und profitable Rechte am geistigen Eigentum zu behalten.

Mediawan und Leonine arbeiten in folgenden Bereichen zusammen: europäische und internationale Koproduktion, Kinoproduktion, Lizenzvergabe und Animation. Gemeinsam produzieren sie jährlich bereits über 500–600 Stunden an Spielfilmen oder Serien und 2’000 Stunden an nicht fiktionalen Sendungen. Insgesamt beschäftigen sie mehr als 500 kreative Talente.[2]

Unbegrenzter Konsum von Inhalten und steigende Ausgaben

Der rasante Trend hin zum Online-Medienkonsum verstärkte sich zusätzlich durch die Lockdowns während der Pandemie. Ein in London ansässiges Forschungsunternehmen prognostiziert, dass bis Ende 2021 weltweit USD 250 Mrd. für Inhalte von Streaming-Diensten ausgegeben werden.

Darüber hinaus hat die Pandemie gezeigt, dass die Nachfrage nach Inhalten nicht zyklisch ist, während der Konsum von Inhalten sich antizyklisch verhält. Der tägliche Konsum von Online-Inhalten ist seit dem Ausbruch von Covid-19 weltweit sprunghaft angestiegen, was vor allem auf OTT-Plattformen zurückzuführen ist.

Trotz Spekulationen, dass die Branche in puncto Inhalte ihren Höhepunkt erreicht haben könnte, beschleunigt der Boom bei der Zahl der Streaming-Dienste und ihrer Nutzerinnen und Nutzer das Wachstum zusätzlich. Damit bestehen reichlich Möglichkeiten zur Expansion.

[1] OTT ist jeder Anbieter von Online-Inhalten, der Streaming über das Internet anbietet. Beispiele sind Netflix, Hulu und Amazon Prime Video.

[2] Variety. Keslassy, Elsa. 8. Juli 2021


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